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In angenehmer Dampfplauderstimmung empfing am Donnerstag der Haussender BR auf seinem Kanal Bayern3 Ministerpräsident Markus Söder, der dort unbehelligt von kritischen Rückfragen oder unbequemen Querschüssen einen Ausblick auf die „Zeit mit Corona“ geben durfte. Besonders tief ließen seine Aussagen zum Impfschutz blicken.

Denn Söder schließt sich im BR3-Interview natürlich der mittlerweile in erträglichen Dosen transportierten Botschaft an, die da lautet: Nicht mehr wann, sondern ob überhaupt ein Impfstoff kommt, ist zweifelhaft – wenn er kommt, dann muss natürlich durchgeimpft werden, und kommt er nicht, dann bleibt der Ausnahmezustand eben ewig. Besonders verstörend in diesem Zusammenhang: Söder drohte Ärzten, die ihre Patienten nicht impfen wollen und ihnen gar „Unbedenklichkeitsbescheinigungen“ für einen Verzicht auf Impfungen ausstellten, mit dem Entzug der Approbation.

Aus dem Wortlaut des Interviews ging leider nicht eindeutig hervor, ob er damit Impfgegner-Ärzte generell meint (wo dieser Schritt ethisch und juristisch begründbar wäre) – oder auch die ärztlichen Gegner einer Vakzine gegen Sars-CoV2, so sie denn käme; denn letztere wäre zwangsläufig ein neuer, aufgrund des eiligen Entwicklungsprozesses nicht hinreichend erprobter Stoff mit womöglich unbekannten Nebenwirkungen – und etliche Bürger und Ärzte hätten wohl Bedenken gegenüber dieser Impfung.

Ansonsten blieb Söder, der den umsichtigen Landesvater gibt, bei den üblichen Phrasen: Das sukzessive Lockern, das er wie stets „in Aussicht stellt“, bleibt unverbindlich – ein Unding angesichts der längst eingekehrten Normalität eines Virus, der außerhalb der Hochrisikogruppen, das steht inzwischen fest, eben keine exorbitante Bedrohung darstellt, keine größere jedenfalls als zahllose andere Lebensrisiken, Erkrankungen und Gesundheitsgefahren. Doch die Welt hat ihren Narren gefressen an Corona, anderes gilt da nicht mehr.

Bedenkenträgertum und Phrasendreschen

Deshalb müssen die vorsätzlich in den Abgrund getriebenen Branchen weiter um Ungewissen verharren: Wenn die Lage stabil bleibe, so Söder, könnte „beispielsweise die maximale Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen erhöht“ werden. Doch gleich kommt wieder die Warnung vor „Leichtsinn“: „Ein bumsvoller Biergarten (…) führt dazu, dass wir auch eine bumsvolle Ansteckung bekommen können.“ Mit derselben Logik könnte man auch auf andere Infektionskrankheiten oder etwa auch auf Terrorgefahren verweisen und damit Einschränkungen auf ewig begründen. Die Fixierung auf ein Corona ist nur noch manisch.

Eine Bayern3-Leserin brachte es in den Hörerkommentaren – der einzige Ort, wo in öffentlich-rechtlichen Formaten noch Widerrede zu finden ist – auf den Punkt, als sie folgendes schrieb:

„Ich würde unseren Herrn Söder fragen, ob er an Hypochondrie leitet. Ja, es (Corona, die Red.) ist eine virale Erkrankung. Ja, für manche nicht ungefährlich. Aber Menschen in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung kann auch ein Schnupfen umbringen. Als Mutter von zwei Schulkindern mit 6 und 10 reicht es mir langsam. Wir müssen dieses Virus akzeptieren wie Zecken, Verkehrstote und schwer verlaufende Influenza-Erkrankungen auch. Wann sollen wir alle wieder in normales Leben führen, zur Arbeit gehen, unsere Kinder wieder JEDEN Tag zur Schule zu schicken? Laut Angsthase Söder wird dieser Zustand erst dann passieren, wenn ein Impfstoff da ist, den eh kaum jemand will. Ich würde mich mit Händen und Füßen wehren meinen Kindern eine kaum getestete Substanz spritzen zu lassen, und NEIN, ich bin KEIN Impfgegner. Die Insolvenz-, Arbeitslosen- und Selbstmordrate wird uns in ein paar Monaten um die Ohren fliegen. Ich habe Angst vor der Zukunft unserer Kinder.“

Vielleicht sollte Söder sich besser einmal solche Gedanken, die von der Mehrheit der Deutschen (und Bayern) insgeheim längst geteilt wird, zu Gemüte führen, statt wohlklingende Durchhalteparolen im Radio und anderswo zu verkünden. (DM)